Unseren Bericht über unsere Jahrestagung 2019 in Münster schlossen wir mit der Aussicht auf ein Treffen 2020 in Göttingen. Damals konnte noch niemand ahnen, wie die Pandemie unsere Pläne durchkreuzen wird. Egal ob private oder dienstliche Termine – das Jahr 2020 verlief für uns alle anders als geplant.

Wie alles begann oder Göttingen 2020

Die Mitgliederversammlung hatte in Münster beschlossen, dass wir uns 2020 in Göttingen treffen werden und Dagmar Hartog hatte sich spontan bereit erklärt, den Vorstand bei der Organisation vor Ort zu unterstützen. Wir haben uns mit ihr im Nachhinein getroffen, um sie über den Verlauf zu befragen.

Vetter: Dagmar, sag mal was hattest Du Dir nur dabei gedacht?

Hartog: Seit 2002 nehme ich an Seminaren vom Forum teil und seit 2005 bin ich Mitglied. Bisher bin ich immer zu den „fertigen“ Veranstaltungen gefahren und habe das Rahmenprogramm und die Seminare genossen. Ein Verein lebt durch aktive Mitglieder und deshalb fand ich es an der Zeit, auch einmal aktiv zu werden.

Vetter: Um unseren Mitgliedern und allen Interessierten einmal ein Bild zu vermitteln, was alles dazu gehört und wie man an eine Planung herangeht. Welche Ideen hattest Du so ganz spontan?

Hartog: Spontan hatte ich sofort ein bestimmtes Hotel im Kopf, auch sofort die alteingesessenen, kultigen Restaurants in Göttingen, die man gesehen haben muss. Eine Stadtführung war auch klar, quasi alles fertig….

Vetter: Na, dann ist ja alles ganz einfach und es hat sicherlich alles so geklappt, oder?

Hartog: Nicht ganz!

Vetter: Für mich sind aber einige Dinge schon wichtig. Z.B. wäre mir zur Abwechslung mal ein Zimmer mit Bett wichtig, nicht so wie damals in Dresden…

Hartog: Bine, Betten waren im angedachten Hotel kein Problem. Es war auch am Rand der Innenstadt, gut und günstig, aber es gab keinen Seminarraum. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Also habe ich dem Vorstand andere Hotels in Göttingen vorgeschlagen, die ebenfalls nah an der Innenstadt und dem Bahnhof liegen.

Vetter: Was fehlte bei denen?

Hartog: Nichts, aber die Finanzministerin Judith hatte ihr Veto eingelegt. Anni wusste aber von ihrem Chef, dass er in Göttingen Tagungen immer im Eden Hotel besucht und dort sehr zufrieden ist. Dieses Hotel hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm.

Vetter: Bett und Seminarraum waren also gesichert und die Preise im Rahmen. Um uns bei Laune zu halten, fehlte eigentlich nur noch für das leibliche Wohl zu sorgen!

Hartog: Kein Problem, mit Essen kenne ich mich aus... Kleine Problemchen hatte ich dann doch beim Buchen der Restaurants. Das Nudelhaus in Göttingen teilte mir völlig unwillig mit, dass sie Gruppen nicht annehmen. Beim „Zum Szültenbürger“ weigerte man sich zunächst, für „nächstes Jahr im Mai“ bereits Buchungen anzunehmen, aber in der alten Junkernschänke lief es reibungslos und für das Nudelhaus hatte ich auch schnell Ersatz gefunden. Geht doch!

Vetter: Wir treffen uns ganz bewusst in wechselnden Städten, um diese kennen zu lernen und auch ein bisschen Kultur zu schnuppern. Wie wolltest Du Deine Stadt präsentieren oder uns dazu bringen, Dein Göttingen lieben zu lernen?

Hartog: Ich wollte keine „klassische“ Stadtführung und bin zur Tourismus-Information gegangen und habe mich gefreut, dass es sehr viele unterschiedliche Touren durch Göttingen gibt. Die Broschüre habe ich Euch als Vorstand zur Entscheidung geschickt.  Wer die Wahl hat, hat die Qual…

Vetter: Ich erinnere mich. Wir hatten uns die Broschüre angesehen, Post-its und Anmerkungen angebracht, um uns dann in einer Telefonkonferenz auf eine Stadtführung zu einigen.

Hartog Für das weitere Rahmenprogramm fehlte noch etwas. Die Dame bei der Tourist-Information lachte mich auch aus, als ich nach Veranstaltungen für „nächstes Jahr Mai“ fragte. Das hat mich echt verblüfft. Hätte nicht gedacht, dass es schwierig ist, Dinge für das nächste Jahr zu planen oder zu buchen. Ist das nur in Göttingen so? Ich habe dann aber eine interessante Führung im Stadtmuseum finden können.

Vetter Nein, es kommt ganz auf die Stadt an. In Dresden mussten die Karten für die Semperoper fast ein Jahr im Voraus fest gebucht werden. Es kommt also immer auf die Stadt und v.a. die Art der Veranstaltung an. Eine Frage, die ich in der Planungsphase aber immer stelle, wenn ich die Stadt nicht kenne: Wo sollen wir uns treffen? Mit dem Finger auf der Landkarte ist es für mich immer schwierig eine Vorstellung zu bekommen. Hattest Du einen Vorschlag?

Hartog: Für uns Büro-Freak’s war nachmittags ein Treffen im berühmten Kaffeehaus „Cron und Lanz“ einfach passend, bevor wir dann gestärkt das Jahrestreffen mit der Führung im Stadtmuseum beginnen.

Vetter: Da die Seminare am Samstag unterschiedlich lang geplant waren und Fahrgemeinschaften quer durch Deutschland nicht unüblich sind, gab es eine Lücke. Hattest Du zur Überbrückung der Leerlaufzeit eine Idee?

Hartog: Mir fiel nichts ein. Judith hatte dann den Vorschlag für den botanischen Garten. Sie kannte diesen durch ihren Bruder. Super Idee.

Vetter: Gemeinsam kommen doch die besten Projekte zustande. Dann stand eigentlich alles, oder?

Hartog: Naja, für mich schon. Der Seminarteil mit Inhalten war zum Glück nicht mein Schwerpunkt, aber Vorschläge waren jederzeit willkommen gewesen.

Vetter: Vielen lieben Dank Dagmar! Wir als Vorstand fanden es ganz wunderbar mit Dir zu planen. Ein Verein lebt von engagierten Mitgliedern wie Dir und ich erinnere mich immer wieder gerne daran, wieviel Spaß mir die gemeinsame Planung gemacht hat.

Hartog: Sehr gerne. Mir hat es mit Euch auch sehr viel Spaß gemacht. Ich habe durch Euch auch viel gelernt, wie man z.B. bei einer E-Mail allen antwortet ;-).

Und das war unser Ergebnis: Das Programm von 2020 

Doch dann kam alles anders.

Die ersten Probleme tauchten auf und Unsicherheit machte sich breit. Wir mussten unsere ganze Aufmerksamkeit auf den Alltag lenken, Hygienepläne und Schichtsysteme entwickeln, Homeoffice durchdenken, vorbereiten und umsetzen. Personal- und Einsatzplanung im Schichtbetrieb, Datenschutzbestimmungen usw. quasi alles, was wir in den letzten Jahren gelernt hatten, wurde nun abgefragt.

Auch nach längerem Beobachten der Coronasituation und Prüfen der gesetzlichen Vorgaben, wurde deutlich, dass es keine Alternative gab und wir die Jahrestagung incl. Mitgliederversammlung absagen mussten. 

Alles fiel aus, aber wir sind es gewohnt Lösungen zu finden und immer wieder positiv nach vorn zu sehen. So wagten wir uns für 2021 - trotz fehlender Planungssicherheit - an eine ausgefallene Version.

Mitgliederversammlung 2.0. oder Göttingen 2021

Im neuen Jahr wollten wir endlich wieder neu starten, aber auch 2021 wurden wir noch ausgebremst und die Vorfreude war etwas gedämpft. Restaurants und Museen waren geschlossen und die Kontaktbeschränkungen würden nur ein kleines Treffen in Präsenz zulassen. Wieder galt es zu prüfen, welche Voraussetzungen für die Durchführung der Mitgliederversammlung gelten. Letztendlich haben wir es unter Berücksichtigung aller Vorsichtsmaßnehmen und Hygieneregeln geschafft, eine Veranstaltung durchzuführen.

Wir trafen uns zu dritt am 06.05.2021 im Hotel Eden in Göttingen und wurden hier mit großer Freude vom Personal empfangen. Man merkte jedem einzelnen Mitarbeiter an, wie gerne sie ihren Beruf ausüben und Gäste bewirten wollen. Nach dem langen Lockdown waren nicht nur wir spürbar „ausgehungert“ nach Kontakten.

Nach einem gemeinsamen Abendessen gingen wir bei gebührendem Abstand mit Maske an der frischen Luft über den Wall rund um die Göttinger Altstadt.

Am Freitag starteten wir mit einem Frühstück im Hotel. Völlig untypisch und ungewohnt wurde das Buffet zum Tisch gefahren und jeder Gast bedient. Trotzdem oder gerade deswegen war es ein einmaliges Erlebnis.

Gestärkt konnten wir das Seminar „Die Verständigung zwischen Generationen – Wenn Werte und Welten aufeinandertreffen“ in Präsenz bei Herrn Andreas Schareck (Dozent für Kommunikation, Führung und Konfliktmanagement, Systemischer Coach) beginnen.

Seminar 1

Seminarbeginn 1Aus dem Seminar haben wir unter anderem die Erkenntnis mitgenommen, dass unsere jüngeren Kolleginnen und die Auszubildenden es nicht böse meinen, wenn sie sich nicht für uns oftmals offenkundig anstehende Aufgaben kümmern – sie nehmen die Arbeit schlicht nicht wahr und müssen darauf aufmerksam gemacht werden. Bemerkenswert war für die Meisten auch, dass die Generation Z es als normal empfindet, sich bei persönlichen Problemen wie Liebeskummer etc. zunächst an die Eltern als erste Ansprechpartner zu wenden und somit die Eltern mehr als Freunde begreift. Für uns (natürlich nicht nur) etwas Ältere lag dies eher jenseits unserer Vorstellungen.

 Im Anschluss an das Seminar gab es dann eine Premiere:

 Die Mitgliederversammlung als Hybridveranstaltung!

Rechtsfachwirtvorstand

Mitgliederversammlung Corona

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Thomas Seewald, der dies mit technischem Sachverstand möglich gemacht hat und bei allen, die - ob in Präsenz oder Online - an der Mitgliederversammlung teilgenommen haben. Der Hybridform war es wahrscheinlich auch geschuldet, dass die Mitgliederversammlung im Turbogang durchgeführt wurde und einschließlich der Wiederwahl des Vorstands und der Kassenprüfer nach circa einer Stunde beendet war.

 Anschließend schlenderten wir gemeinsam mit Maske durch die Göttinger Innenstadt und schauten uns die drei Restaurants von außen an, in denen wir eigentlich Abendessen wollten.

Stadtgang

Gnseliesl

Wir kamen bei dem Göttinger Wahrzeichen, dem „Gänseliesel“ vorbei. Kollegin Dagmar Hartog erklärte uns, dass es beim Gänseliesel einen alten Brauch gibt. Jeder frisch promovierte Doktor muss das Gänseliesel küssen und ihr einen Blumenstrauß schenken. Natürlich lassen es sich manche nicht nehmen, den Blumenstrauß am höchsten Punkt des Gänseliesels anzubringen. Die meisten Doktoranden werden bei dieser Zeremonie auf einem geschmückten Bollerwagen platziert und zum Gänseliesel gezogen und meistens hört man die Gesellschaft bereits, bevor man sie sieht …

(der Legende zufolge mit entsprechendem Alkohol…)

Beim Gänseliesel versuchten uns die „Tanzschwestern“ unter dem Vorwand einer angeblichen Wette zu einer Online Salsa-Tanzparty einzuladen, die am 14.05.21 stattfinden sollte.

Lediglich Ivonne Behrendt hat uns tapfer vertreten. Herzlichen Dank nochmals an Ivonne.Hartog Stadtfhrung

Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir an einem von zehn Bronzestelen des „Planetenwegs“ vorbei. Dieser Planetenweg ist eine maßstabsgetreue Darstellung der Umlaufbahn aller Planeten unseres Sonnensystems und führt quer durch die Göttinger Innenstadt. Auf den Bronzestelen ist nicht nur der Planet im Maßstab 1:2 Milliarden dargestellt, sondern es befinden sich jeweils auch Informationen zum Planeten auf den Stelen

Beim gemeinsamen Abendessen gab Kollegin Dagmar Hartog eine selbstgestaltete Zeitschrift des Abschlussjahrgangs zum Rechtsfachwirt aus dem Jahr 2001 in Bad Münstereifel sowie weitere Unterlagen aus dem Studium herum. Wir schwelgten alle in Erinnerungen an unsere Studienzeit und die eine oder andere Anekdote machte ihre Runde.

Am Abreisetag wurde das Hotel, das für Tagungen geöffnet werden durfte, bereits wieder geschlossen und wir bekamen Lunchpakete mit auf den Weg.

Vetter Dagmar, sag mal so im Nachhinein. Würdest Du wieder mitplanen/uns unterstützen?

Hartog Jederzeit wieder! Allen Mitgliedern kann ich nur empfehlen, auch einmal Teil der Vorbereitung zu sein, einen Einblick in die Vorbereitungen zu bekommen und auch einen kleinen Einblick in Eure Vereinsarbeit so übers ganze Jahr verteilt. Respekt an Euch für Eure Zeit, die Ihr Euch ehrenamtlich für uns nehmt und sei es  das Kleingedruckte der Hotelangebote zu lesen ;-)

Vetter. Vielen lieben Dank für die Blumen! Jetzt bleibt mir eigentlich nur noch festzuhalten:

Wir freuen uns auf nächstes Jahr in Erfurt, mit oder ohne Maske.

Hartog: Ich bin dabei 😊